Gott wird Mensch - wie kann das sein?

An Weihnachten feiern wir nicht nur die Geburt eines kleinen Kindes, sondern dass Gott Mensch wird. In einem kleinen Kind. Ist uns die Unerhörtheit der Menschwerdung Gottes überhaupt noch bewusst oder nehmen wir sie gar nicht mehr wahr? Gott wird wirklich Mensch; er nimmt nicht nur Menschengestalt an wie zum Beispiel in den grie-chischen Sagen die alten griechischen Götter, um in die Kriege der Menschen einzugreifen oder Liebesabenteuer zu erleben. Er gibt sich als Mensch unseren Augen zu erkennen – nicht wie im Alten Testament, wo er Mose im brennenden Dornbusch begegnet (Exodus 3) oder dem Volk Israel durch die Wüste als Feuersäule vorangeht.

Und an Weihnachten?
Im Lukasevangelium heißt es: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.“ (Lukas 2,11-12) Eine Windel ist das Zeichen für die Menschwerdung Gottes. Er wird ein Mensch, wird gestillt wie jedes Kind, um nicht zu verhungern. So normal ist Gottes Menschwerdung. Habe ich dafür noch offene Augen und ein offenes Herz?

Was nehme ich in den Blick? Nur das Großartige, das Aufsehenerregende oder auch das Kleine, das Unscheinba-re? Heute ist oft nur noch wichtig, was scheinbar aus dem Rahmen fällt, in Wirklichkeit aber nur eine neue Spielart des Allzumenschlichen ist. Sehe ich mit den Augen des Glaubens, dann erkenne ich auch das scheinbar Unschein-bare, das wirklich aus dem Rahmen fällt, weil sich dort Göttliches ereignet.

Das wir dies bei allem Vorbereitungs-Stress auch an diesem Weihnachtsfest noch spüren und uns davon erfüllen lassen, wünschen wir Ihnen allen. Wir laden dazu ein, dies in unseren Zusammenkünften und Gottesdiensten zu erfahren und mit zu feiern. Und so wünschen wir allen Menschen unserer Pfarrei ein frohes Weihnachtsfest und ein frohes und gesundes Neus Jahr 2019.

 

Michael Kolb, Pfarrer
Gabriele Kemper, Vorsitzende des Pfarreirates