Kirchliches Leben ist mehr als die Feier des Gottesdienstes

Vor kurzem haben bis zu 20.000 Menschen in Berlin gegen die Corona-Einschränkungen demonstriert. Auch in der Kirche müssten die hygienischen Maßnahmen aufrechterhalten werden, kommentiert Christof Haverkamp. Darüber jammern sollte besser niemand.

Mit harscher Kritik haben Politiker auf die unverantwortlichen Proteste in Berlin gegen staatliche Corona-Beschränkungen reagiert – zu Recht. In der Tat ist es kaum zu begreifen, dass am Wochenende bis zu 20.000 Menschen bei der Demonstration und der anschließenden Kundgebung leichtfertig ihre Gesundheit gefährdet haben. So verständlich der Wunsch nach Rückkehr zur Normalität ist: Davon sind wir weit entfernt. Ja, der Mund- und Nasenschutz ist lästig, nicht nur für Brillenträger. Aber wir müssen aus Sorge vor Ansteckungen daran festhalten.

Das gilt auch für alle Vorsichtsmaßnahmen bei Gottesdiensten. Niemand in Kirchenkreisen sollte darüber jammern. Sondern eher bedenken, dass kirchliches Leben mehr bedeutet als die Feier des Gottesdienstes – so zentral dies auch ist. Jetzt können Christen Solidarität und Nächstenliebe zeigen, weil sich die Auswirkungen der Corona-Epidemie verschärfen, in Deutschland ebenso wie weltweit.

Vieles geschieht bereits, etwa wenn Caritas-Helfer Lunchpakete an Wohnungslose verteilen oder der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode seine Bistums-Mitarbeiter zu Spenden aufruft für einen Hilfsfonds zugunsten notleidender Menschen. Gut auch, dass die katholische Kirche für Anfang September zum "Sonntag der Solidarität" aufgerufen hat.

Denn das ist eine Kernaufgabe der Kirche: für andere da zu sein. So kann sie belegen, dass sie gebraucht wird und nicht allein ständig um sich selbst kreist. Denn jetzt gilt das Wort des französischen Bischofs Jacques Gaillot: "Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts."

Abgesehen davon ist noch nicht klar, kann noch nicht klar sein, wie Corona die katholische Kirche verändert. Wie sich die Pandemie auf die Pastoral auswirkt, muss irgendwann analysiert werden. Die Bedeutung digitaler Gottesdienste, schmerzhafte Einschnitte bei der Kirchensteuer, die Seelsorge zu Corona-Zeiten im Kranken- haus: Das alles wird uns noch beschäftigen. Doch derzeit geht es erst einmal um die Hilfe angesichts der Folgen der Corona-Pandemie