Impuls
Sorgen um die Ernte
Rückblickend kann man sagen: Für die Landwirtschaft war dieses Jahr zu trocken; in vielen Bereichen gibt es Ernteausfälle und Einbußen. Es fehlte landauf landab Regen und somit Wasser. Sogar das Viehfutter wurde knapp. Dennoch gibt es einen guten Ertrag bei den Trauben.
Das konnte ich kürzlich bei einer Radtour durch die Weinberge feststellen. Ich war überrascht, wieviel Trauben an den Weinstöcken hingen; es erinnerte mich an paradiesische Zustände, wie sie im Buch Genesis beschrieben sind. Schwer tragen die Reben an fruchtiger Pracht, da kann ich nur staunen, wer hat dies gemacht? So sonnendurchflutet, so süß wie der Tau, wächst Beere an Beere, weiß, gelblich und blau. Die Fülle des Lebens sie scheint mir hier auf, so nimmt Jahr für Jahr die Natur ihren Lauf.
Gott lohnt unsre Mühen, er schenkt uns voll ein, gibt Freude den Herzen: Ein Lob auf den Wein! (avo) Ein guter Jahrgang wird es 2026 wohl sein mit einem ausgezeichneten Ertrag. Und doch haben auch die Winzer ihre Sorgen. Für den Fasswein bekommen sie z.Zt. nur 30 Cent pro Liter. Das deckt nicht die Erzeugerkosten. Die Selbstvermarkter sind da besser dran. Denken wir bei jedem Glas Wein dankbar an die vielen Schritte, die nötig sind, bis der Wein im Glas funkelt. Und an die Menschen, die sich Arbeit, Mühe und Sorge machen, bis es soweit ist.
Im Alten und Neuen Testament fehlte der Wein, der Götter und Menschen erfreut (Ri 9,13; Ps 104, 15; Koh 10,19; Sir 31,27), bei keinem festlichen Anlass; er galt auch als Heilmittel (Lk 10,34) zur Überwindung von Traurigkeit (Koh 2,3) und zum Vergessen von Mühsal und Sorgen (2 Sam 16,2; Spr 31,6f.).
Weil aber Trunkenheit Anstoß erregte, fehlte es auch nicht an missbilligenden Warnungen (Tob 4,15) und Hinweisen auf die verderblichen Folgen (Jes 28,2, Hos 4,11; Spr 23,29-35; Sir 31,30).
Im Kult des Alten Testamentes diente der Wein als Opferbeigabe; er wurde aus Schalen am Fuße des Brandopferaltares ausgegossen. (vgl. LThK).
Wein gilt bei den Kindern Israels als Nachweis, dass man das gelobte Land erreicht hat. In der Tat: ein Nomade, der mit seiner Herde täglich seinen Standort wechseln muss, kann keine Weinberge anlegen und demgemäß auch kaum Wein genießen. Wer dies aber vermag, der hat eine Bleibe gefunden, der besitzt einen Weinberg im von Gott geschenkten Land.
Dass gerade der Wein zur natürlichen Grundlage des eucharistischen Blutes wird, hat darum auch noch einen ganz anderen Aspekt: Christus nimmt den Wein beim letzten Abendmahl, wird aber nach eigenem Wort zusammen mit seinen Jüngern erst wieder von der Frucht des Weinstocks trinken im Reich seines Vaters (Mt 26,29). Auch hier ist der Wein wieder Symbol des Angekommenseins im gelobten Land, diesmal aber im himmlischen Reich, das kein Ende hat, In der Eucharistiefeier trinken wir Christen diesen „Kelch des ewigen Heiles“, Christi Blut, dessen natürliche Grundlage im Wein auch die Verheißung der Ankunft im Reich Gottes enthält.
Der Wein für die Eucharistiefeier muss vom Gewächs des Weinstocks stammen und naturrein, ohne Beimischung von Fremdstoffen sein. Der Brauch, Weißwein zu verwenden, hat keine eigene theologische Bedeutung. In den Ostkirchen ist die Verwendung von Rotwein sogar die Regel.
(Pfr. Michael Kunzler: Dienst am Altar Christi; Pfarrbriefservice)