Impuls

Begeistert

Begeisterung wirkt manchmal befremdlich, wenn man selber nicht zu den Begeisterten gehört. Beim Fußball, -ohne Corona- wenn wildfremde Männer einander umarmen und jubeln und in ihre Tröten blasen. Wenn Kinder etwas erlebt haben und einem dringend davon erzählen wollen. Alles geht durcheinander, die Stimmen überschlagen sich, man versteht erst einmal kein Wort. Man möchte sagen: „Nun bleibt mal auf dem Teppich“. Aber man ahnt doch: Da ist etwas Großartiges passiert.

So etwas ähnliches gab es anscheinend unter den ersten Christen (Apg 2, 1-21). An Pfingsten, 50 Tage nach Ostern, wird in den Kirchen daran erinnert.

120 waren damals beieinander und haben gefeiert, erzählt die Bibel. Das Schawuoth-Fest, eine Mischung aus Erntefest und Dankfest für die Gabe der 10 Gebote. Das war sicher eine fröhliche Sache. Und da geschah es dann. Die Menschen gerieten außer sich vor Freude über Gottes Gaben. Feuer und Wind, hat man später erzählt, kamen über sie. Befeuert hat sie der Geist Gottes, wie ein Sturm hat er sie in Bewegung gebracht. Damals wussten sie: Gott zeigt sich in Wind und Feuer. Die Menschen waren begeistert, vor Freude ging alles durcheinander, alle redeten durcheinander von ihrer Freude. Und die das beobachtet haben, die haben gesehen: die sind ja ganz aus dem Häuschen. Die sind begeistert. Begeistert von Gott.

Aber wie das so ist: Man ahnt, was die Begeisterten bewegt. Aber dann kommt es einem doch merkwürdig vor und irgendwie übertrieben. So war das damals auch: „Nun kommt mal wieder runter“, haben die Beobachter gesagt, „ihr seid ja betrunken“. Soll ja vorkommen, dass man vor lauter Begeisterung kein Maß mehr kennt.

Da tritt Petrus auf, der Anführer der ersten Christen. Petrus, der sich auskennt mit Feuer und Wind und den Erscheinungsformen Gottes. Petrus, der sich auch auskennt mit den Heiligen Schriften. „Die sind nicht betrunken“, sagt er, „die sind begeistert“. Gottes Geist hat sie ergriffen. Erinnert euch doch – die Propheten, die Gottesmänner früher, die haben vorhergesagt, dass das so kommen wird. „Wenn die neue Zeit anfängt, dann wird Gott seinen Geist auf die Menschen ausgießen. Dann werden sie begeistert sein und sagen und tun was nötig ist, damit die Welt anders wird.“

Wir Christen glauben, das war die Geburtsstunde der weltweiten Christenheit. Die wenigen Menschen von damals – die waren so begeistert und haben andere mit ihrer Begeisterung angesteckt. Viel Gutes ist in der Folge passiert. Manchmal denke ich: Solche Begeisterung, die fehlt uns Christen heute. Es könnte sich mehr bewegen in der Welt.

(Luzie Panzer)

Die Debatte um das Segnungsverbot fühlt sich wie ein kleines Ostern an

Durch die Debatte um das Nein zur Segnung homosexueller Paare hat die Journalistin Pia Dyckmans wieder Zuversicht gewonnen: Die Kirche spreche miteinander darüber – und zwar hierarchieübergreifend, kommentiert sie. Das zeige, dass sie sich verändern könne.

Die kirchenpolitische Lage ist schwierig. Die Austrittszahlen sind, gelinde gesagt, besorgniserregend. In der katholischen Kirche schwelen diverse Probleme, bei denen Kirche oft an der Realität der Gläubigen vorbei agiert. Um dem Ganzen eine Krone aufzusetzen, meldet sich der Vatikan zu Wort und verneint die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren. Sie mögen jetzt wahrscheinlich denken: Bitte nicht noch ein Kommentar zu diesem Thema, es ist doch alles schon gesagt.

Genau das ist der Punkt. Im Jammern und Meckern sind wir gut, und ich schließe mich da ganz klar mit ein, weil es oft einfach notwendig ist. Aber ich gestehe, ich habe diese kirchenpolitischen Querelen nach einem Jahr "Fastenzeit" jetzt zu Ostern satt und finde, dass das Glas nicht immer nur halb leer, sondern auch mal halb voll sein kann. Inwiefern halb voll? Seit Wochen liest man beinahe jeden Tag einen Artikel über dieses Thema. Interessant ist dabei, wer alles etwas dazu gesagt und geschrieben hat. Es sind dieses Mal nämlich nicht nur die Verbände oder das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, sondern auch Bistümer, ihre Bischöfe und Orden. Über Hierarchieebenen hinweg wird sich mal mehr, mal weniger klar positioniert. Selbst auf den schnelllebigen Social-Media-Kanälen kommen noch heute klare Positionierungen. Sei es die Generaloberin des Kloster Marchtal oder die Ordensleute auf dem Synodalen Weg jeweils auf Instagram. Sogar der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz drückt sein Unverständnis über das Nein aus dem Vatikan aus.

Für mich sind die vergangenen zwei Wochen deswegen wie ein kleines vorgezogenes Ostern und zeigen, meine Kirche kann sich verändern. Die Kirche in Deutschland spricht miteinander, nicht mehr nur die Gläubigen, sondern auch Bischöfe beteiligen sich. Die Lehre und das Kirchenrecht werden davon noch nicht umgeschrieben, aber es ist ein Schritt. Wir müssen dranbleiben, aber auch geduldig sein. Kirche braucht Zeit – wegen ihrer 2.000-jährigen Geschichte, und auch weil es eine Weltkirche mit verschiedensten Kulturen ist. Hier zeigen sich auch die Fragen, wo Kirche stattfindet und wer diese Glaubensgemeinschaft prägt: nicht der Vatikan allein, sondern neben den Funktionsträgern der Kirche vor Ort und der Wissenschaft vor allem die Gläubigen selbst. Wäre das nicht eine kleine Auferstehung, wenn die Realität der Gläubigen endlich auch mehr Gewicht hätte

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